Ein paar Worte in eigener Sache
Den Garten meiner Oma habe ich noch gut in Erinnerung – große Obstbäume, riesige Beete mit allem drauf, was man essen konnte, eine kleine Sitzgruppe auf einem handtuchgroßen Stück Wiese, ein kleiner Holzschuppen für die Gartengeräte und eine Schaukel für mich, am großen Apfelbaum befestigt – das war´s. Ach nein, ich hatte natürlich einen Sandkasten und eine eigene Gießkanne … früh übt sich, wer mal Gartenfachberaterin werden will. ;-)
Das ist natürlich mit der heutigen Zeit nicht mehr direkt vergleichbar, das ist schon klar. Wenn ein Garten neu übernommen wird, passiert oft Folgendes: erst mal alle alten Obstbäume raus, die Beete werden größtenteils weg gemacht, Rasen gesät, Platz geschaffen für Spielgeräte und Pool, die Laube chic gemacht und der heißgeliebte Grillplatz gebaut. Die geforderte kleingärtnerische Nutzung rückt in den Hintergrund oder fällt teilweise total weg. Man braucht ja Platz für die Kinder zum Spielen, für Grillpartys und Abkühlung im Pool bei großer Hitze. In wie weit man es in der heutigen Zeit mit seinem Gewissen vereinbaren kann, -zig Liter Wasser für einen Pool im Kleingarten zu vergeuden, bleibt jedem selbst überlassen. Gerne weise ich hier auf nochmal auf den Unterschied zwischen Kleingarten und Erholungsgarten hin.
Was will ich mit diesen Zeilen erreichen?
Bitte bei Gartenübernahme erst mal in Ruhe Bestandsaufnahme machen, was ist vorhanden an Anbauflächen, an Bäumen und Sträuchern. Ein Kleingarten schließt ja eine Erholung auf den restlichen 2/3 Gartenfläche nicht aus! Warum auch nicht Spielgeräte, und Grillplatz – das sind doch tolle Dinge, die Spaß und Freude bringen. Aber eben nicht ausschließlich und dann nur noch ein oder zwei Minihochbeete und gut. So geht das nicht.
Gerade in der heutigen Zeit unter den Bedingungen des Klimawandels ist es unbedingt notwendig, Gärtnern neu zu denken. Alte große Obstbäume bieten Lebensraum für viele Tiere, tragen zur Artenvielfalt bei und haben einen hohen ökologischen Wert. Alte Bäume verbessern das Kleinklima, filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft, spenden Schatten und können zur Bodenverbesserung beitragen. Man kann auch dort eine Schaukel ranhängen und gemütlich und kühl im Schatten sitzen. Da brauche ich dann auch keinen einbetonierten großen Sonnenschirm oder ein Sonnensegel. Mit der richtigen Pflege und gegebenenfalls fachgerechten Schnittmaßnahmen können alte Obstbäume zu einer Bereicherung für den Garten und die Natur werden. Ein radikaler Schnitt mit der Kettensäge ist der garantierte Tod für so einen wertvollen Baum. Hier mal ein paar ganz schlechte Beispiele ...
Bei Übernahmen von älteren Gärten ist der Boden der Anbauflächen oft schon in einem guten Zustand, da ja dort lange angebaut wurde – locker, nährstoffreich und relativ leicht zu bearbeiten. Warum macht man sowas einfach weg und nutzt nicht die vorhandenen Möglichkeiten, die sich bieten für den Anbau? Neue Beete brauchen Jahre, bis sie wieder in einem guten Anbauzustand sind. Oft höre ich „der Boden sei nicht gut, zu lehmig, zu steinig, zu hart oder sonst was“. Warum besteht die Gartenanlage wohl schon über 100 Jahre und wie haben die Gärtner in den letzten 100 Jahren angebaut? Es geht, man muss sich dazu nur ein paar Gedanken machen und man muss es wollen.
Als ich meinen Garten übernommen habe, war da nichts drin, außer einer großen Rasenfläche und einem riedigen eintönigen „Steingartenbeet“, nicht ein Obstbaum, keine Sträucher, keine Beete, das war nicht wirklich ein Kleingarten, wie ich ihn mir vorstellte. Ich habe lange geplant und überlegt, was ich alles will. Der Garten soll so naturnah, wie möglich werden. Also habe die notwendige Anzahl Beete angelegt, Bäume und Sträucher gepflanzt, ein Gewächshaus gebaut und viel für unsere Insektenwelt getan. Man kann sich den Obst- und Gemüseanbau schon relativ leicht machen, dafür gibt es tolle Lösungen sowohl im Anbau selber, als auch bereits bei der Auswahl der Pflanzen. Und es macht schon Spaß, wenn man in den Garten geht und sich den Bauch vollschlagen kann mit allerlei Naschereien. Was mir zu viel wird, verschenke ich im Pflanzentauschregal, bei Verwandten oder Freunden, da finden sich immer dankbare Abnehmer.
Bei Begehungen zur kleingärtnerischen Nutzung höre ich oft Sätze wie: "In den letzten 30 Jahren hat sich da auch keiner gekümmert.", "Das war doch schon immer so und hat niemanden gestört.", "Was wird jetzt hier für ein riesen Drama gemacht.", "In dem Garten Nr. xx wird aber auch nichts angebaut und die Hecke ist auch 2,00 m...." und ähnliche Aussagen.
Sicher, mag alles sein, aber wir können nicht überall gleichzeitig sein und die aktuelle Zeit macht es einfach erforderlich, die kleingärtnerische Nutzung wieder in den Vordergrund zu rücken. Laut Gartenordnung war das eigentlich auch schon immer so, nur hat es keinen gekümmert. Das wollen und müssen wir ändern.
Meine Bitte an alle: meldet euch bei mir, wenn ihr Fragen zum Anbau, zur Gestaltung eures Gartens habt und vor allem bei der Umsetzung der kleingärtnerischen Nutzung. Dafür ist die Gartenfachberaterin da. Der Druck auf uns Kleingärtner wird immer höher, unsere Parzellen zu erhalten, wie ihr in den beigefügten Links unten seht. Mittlerweile ist das auch in Sachsen angekommen. Und wer will schon seinen, mit Mühe und viel Geld aufgebauten Gartentraum an Bauland für eine neue Eigenheimsiedlung am Stadtrand verlieren?
Hier noch ein paar Beispiele, wo Gärtner den Kampf um ihre Parzellen verloren haben.